Aktuelles

Vergangene Woche empfing Bürgermeister Ludwig Sauer die aus Jekaterinburg angereisten Studentinnen und Studenten der Theaterkooperation mit der Bronner Schule und dem Berufsschulzentrum im Foyer des Rathauses: „Ich freue mich riesig, dass Sie da sind!“ Vor allem im Hinblick auf die aktuellen Spannungen zwischen der Russischen Föderation und der Europäischen Union seien Austausche unter Jugendlichen beider Seiten eine tolle Sache.

Begrüßt hatte Ludwig Sauer die jungen Gäste und ihre Dozentin Elena Makarowa auf Russisch, was einen großen Eindruck hinterließ. Stolz sei der Bürgermeister auf die Internationalität der Weinstadt Wiesloch. Besonderes Lob erhielten die Schulen, die Kooperationen zwischen den SchülerInnen der Partnerschaftsstädte organisierten. Ausdrücklich bezog er dabei die Schulen des Rhein-Neckar-Kreises, wie z.B. die Bronner Schule, mit ein, und lobte deren Verbundenheit mit Wiesloch. Im Anschluss an den Empfang im Rathaus, nahm Diplom-Geologe Ludwig Hildebrandt die Gäste aus Jekaterinburg mit auf eine mittelalterliche Reise durch die Weinstadt, die zu dieser Zeit eher den Charakter einer Bergbaustadt besaß. Von dem abgebauten Silber, so erfuhren die russischen Jugendlichen, wurden z.B. im fernen Speyer Münzen geprägt. Der Aufstieg in den Glockenturm der z.T. 1000 Jahre alten Stadtkirche war aufregend und exklusiv. Mit einem Spaziergang am Leimbach mit Blick auf den „Saumilchhaffe“ endete die informative und kurzweilige Stadtführung. Ludwig Hildebrandt geleitete die Gruppe Jugendlicher und ihrer Lehrerinnen Britta Niehoff, Bettina Sieber und Elena Makarowa zur alten Schuhfabrik, wo sie bei einem Mittagessen Gäste des Sozialpsychiatrischen Hilfsvereins waren.

Ein weiteres Highlight des Jugendaustauschs stellte zweifellos die Wieslocher Uraufführung einer Erzählung des international anerkannten russischen Autors und “Erfinders der russischen Performance” Jewgeni Walerjewitsch Grischkowez in der Aula des Berufsschulzentrums dar. Diese Erzählung mit dem Titel: „Die Narbe -oder auf der Suche nach einem besseren Leben“ wurde von den deutschen und den russischen TeilnehmerInnen an der Theaterkooperation und ihren Lehrerinnen Elena Makarowa, Britta Niehoff und Bettina Sieber eigens für diese Veranstaltung auf  der Bühne der Aula ideenreich in Szene gesetzt. Dabei war die wohl größte Herausfor-derung, die allerdings gemeistert werden konnte, den sechzehn russischen und sechzehn deutschen Jugendlichen eine Rolle zu geben, die ihnen auch zusagte. Zum Erzählstrang: Kostja lebt in einem kleinen Städtchen in der russischen Provinz. Sein größter Wunsch: in die Metropole Moskau ziehen, dort sein Studium fortsetzen und das bequeme Leben in einer Großstadt genießen. Leider fehlt es ihm an Geld. Alle Versuche, die nötigen Finanzen für diese Zukunftsvision zu verdienen oder zu leihen, scheitern. Außerdem raten ihm seine Freunde dringend ab, in die Metropole zu wechseln, und führen so manchen triftigen Grund an. Kostja ist hin- und hergerissen: Tradition oder Fortschritt, Großstadt oder Provinzstädtchen. Als Kostja die Hoffnungslosigkeit seiner Situation einsieht, findet er eine mit unzähligen Geldscheinen prallgefüllte Tasche. Er gerät in Versuchung, das Geld zu behalten und beginnt zu träumen. Was wäre, wenn ich das Geld nicht zurückgeben würde? Nun, Kostja hätte z.B. eine Bibliothek stiften können oder aber das Geld mit seinen „Freunden“ verjubeln. Aufgrund der großen Gruppe an Darstellern, wurde die Rolle des Kostja mehrfach besetzt. Man erkennt den jeweiligen Hauptdarsteller an seinem weißen Oberteil und einem orangefarbenen Schal. Auch die Stimmen, die ihm zuraten oder abraten, den Geldfund zu behalten, sind manifest gewordene Kostjas. Ebenso wie die hart arbeitenden Darsteller, die zeigen wie Kostja leben würde, nach dem er sein Geld verprasst hätte. Die Inszenierung brilliert auch durch den Wechsel der Sprachen. Einige Sätze in Russisch, einige in Deutsch, die die Spiel-Szenen nachvollziehbarer machen. Das zeigte Wirkung im Publikum; ebenso wie die gekonnt umgesetzte Musikuntermalung von Simon Zwecker am Klavier. Zwischendrin gibt es immer wieder Gesang und Tanz, die die Emotionalität der Spiel-Szenen verstärken.  Zu guter Letzt gibt Kostja wie in der Original-Erzählung den Geldfund zurück, geht dennoch nach Moskau und studiert. Der Ruf Kostjas von der Bühne der Aula: „Auf nach Moskau!“ und der Schlusssong „Lass die andern sich verändern und bleib wie Du bist!“, lässt dennoch einiges offen. Das war von den TeilnehmerInnen der Theaterkooperation auch so gewollt. Jewgenij W. Grischkowez selbst hat sich, was den Wohnort betrifft, anders entschieden als Kostja: der Autor der Erzählung wohnt derzeit in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg: „Ich habe mir diese Stadt nicht einfach zufällig zum Wohnen ausgesucht, nach Moskau will ich auf keinen Fall ziehen. Ich bin ein „Provinzler“ und komme mit dem Moskauer Rhythmus nicht klar.“ Die Theater-Aufführung der russischen Gäste mit ihren deutschen Freunden im Berufsschulzentrum ließen sich Bürgermeister Ludwig Sauer und Schulleiterin Susanne Zimmermann und viele andere Gäste nicht entgehen und man konnte feststellen: sie waren begeistert! Langanhaltender Applaus belohnte die jugendlichen DarstellerInnen aus Russland und Deutschland am Ende der Vorstellung für ihre Meisterleistung.

Text: Hans-Jürgen Francois
Bilder: Hans-Jürgen Francois & Lucia Hellinger


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