Auszubildende Annika Meier berichtet über ihre Zeit in Mailand (Italien)
Im Rahmen meiner Ausbildung und in Zusammenarbeit mit unserer Berufsschule habe ich die Möglichkeit erhalten, einen Auslandsaufenthalt über das Erasmus-Programm zu absolvieren. Von dieser Möglichkeit habe ich erstmals in der Schule erfahren, und das Angebot hat mich sofort begeistert. In meinem Ausbildungsbetrieb war bereits bekannt, dass sowohl Auszubildende als auch Schüler:innen die Chance haben, einen Auslandsmonat zu machen – vorausgesetzt, der schulische oder betriebliche Ablauf lässt es zu.
Nachdem ich das Thema bei meiner Ausbildungsleitung angesprochen hatte, war sie sofort offen dafür und fragte mich, in welchem Land ich meinen Aufenthalt gerne verbringen würde. Ich wollte die Zeit gerne an einem unserer internationalen Standorte verbringen, um die dortigen Arbeitsweisen kennenzulernen und Erfahrungen im internationalen Umfeld zu sammeln. Alternativ hätte ich auch über das Programm „Go4Europe“ teilnehmen können. Dort werden allerdings Zeitraum und Einsatzbetrieb vorgegeben, weshalb ich mich für die individuell planbare Erasmus-Variante entschieden habe.
Zur Auswahl standen verschiedene Länder, unter anderem Spanien, Italien und die Niederlande. Ich habe mich schließlich für Italien entschieden, da mich sowohl die Sprache als auch die Kultur sehr interessierten. Den Zeitraum für meinen Aufenthalt habe ich bewusst auf September gelegt, weil das am besten mit dem Unterricht vereinbar war – so musste ich nur zwei Schultage verpassen. Ein großer Vorteil des Erasmus-Programms ist, dass man den Zeitraum flexibel wählen kann, solange man sich frühzeitig um die Organisation kümmert.
Für die Bewerbung musste ich einen kurzen Lebenslauf und ein Anschreiben einreichen, in dem ich meine bisherigen Tätigkeiten und Kenntnisse beschrieben habe. So konnte die aufnehmende Einrichtung besser einschätzen, in welchem Bereich ich am besten eingesetzt werden kann. Vor Ort durfte ich dann tatsächlich ähnliche Aufgaben übernehmen wie in meinem Ausbildungsbetrieb, was mir einen sehr guten Einblick in internationale Arbeitsabläufe ermöglicht hat.
Nach der Zusage habe ich meine Unterkunft über Airbnb gebucht. Die Kosten musste ich zunächst selbst übernehmen, da die Erasmus-Förderung erst später ausgezahlt wird. Die Höhe der Förderung hängt vom Zielland ab und wird als Tagessatz berechnet; außerdem werden Fahrtkosten bezuschusst. Da Erasmus großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, bin ich nicht geflogen, sondern mit dem Zug nach Italien gereist. Insgesamt musste ich etwa 1.500 Euro in Vorkasse gehen. Nachdem die Förderung ausgezahlt wurde, erhielt ich rund 2.000 Euro, wodurch ich letztlich sogar etwa 500 Euro als Budget für den Aufenthalt zur Verfügung hatte. Zusätzlich habe ich weiterhin mein Ausbildungsgehalt erhalten, was die Finanzierung deutlich erleichtert hat.
Vor der Auszahlung des Fördergeldes musste ich gemeinsam mit der Schule eine sogenannte Lernvereinbarung ausfüllen. In diesem Dokument werden die Lernziele des Aufenthalts festgehalten. Ich habe dort unter anderem angegeben, dass ich meine Sprachkenntnisse in Italienisch verbessern und internationale Arbeitserfahrungen sammeln möchte. Die Vereinbarung wird von der Schule, der Partnerorganisation im Ausland und der teilnehmenden Person unterschrieben. Nach meiner Rückkehr habe ich die vollständig ausgefüllte Vereinbarung wieder bei der Schule abgegeben.
Während meines Aufenthaltes war ich hauptsächlich in Mailand tätig, einer Stadt, die mich sowohl kulturell als auch beruflich sehr beeindruckt hat. Ich hatte die Gelegenheit, viele verschiedene Stadtteile und Sehenswürdigkeiten zu erkunden und gleichzeitig die Arbeitsweise der Firma besser kennenzulernen. Besonders spannend war es, die Kombination aus historischem Stadtbild und modernem Geschäftsleben zu erleben. Durch die vielen Erkundungstouren und den Kontakt zu Kolleg:innen vor Ort konnte ich meine Sprachkenntnisse praktisch anwenden und meine Selbstständigkeit weiter stärken.
Insgesamt war der Auslandsaufenthalt eine unglaublich bereichernde Erfahrung – sowohl fachlich als auch persönlich. Ich konnte viele neue Eindrücke gewinnen, meine Sprachkenntnisse verbessern und erleben, wie unterschiedlich Arbeit und Alltag in einem anderen Land sein können. Außerdem war es spannend, ein solches Projekt eigenständig zu organisieren und Verantwortung für die eigene Planung zu übernehmen. Ich kann allen – egal ob Schüler:in oder Auszubildende:r – nur empfehlen, die Chance auf einen Auslandsaufenthalt über Erasmus zu nutzen. Es ist eine tolle Gelegenheit, neue Perspektiven zu gewinnen, selbstständiger zu werden und über den eigenen Horizont hinauszuschauen.
Text: Annika Meier
Bild: Sven Grünewald
