Schulpartnerschaften und
Erasmus + Programm
Ein wichtiger Bestandteil unseres Schullebens sind unsere drei Schulpartnerschaften und das europäische Programm Erasmus +. Durch die Erfahrung eines Schüleraustausches oder eines Erasmusaufenthalts lernen unsere Schülerinnen und Schüler andere europäische Kulturen kennen, vertiefen ihre Sprachkenntnisse und arbeiten mit Partnerschülerinnen und
–schülern an gemeinsamen Projekten. Gastschülerinnen und –schüler wiederum bereichern unsere Schule durch neue sprachliche und kulturelle Impulse.
Spanienaustausch
Unser Spanienaustausch besteht seit 2013 mit der allgemeinbildenden Schule I.E.S. Poeta Julián Andúgar in Santomera, einer typisch spanischen Kleinstadt in der Region Murcia im Südosten Spaniens. Diese interessante Region zeichnet sich durch mediterrane Kultur, mildes Klima und Landwirtschaft aus. Die Schülerinnen und Schüler wohnen eine Woche lang in den jeweiligen Gastfamilien, was ein Eintauchen in das spanische, bzw. deutsche Leben bedeutet. Die Austauschwoche in Spanien und Deutschland ist eingebettet in ein gemeinsames Kulturprogramm und Projektarbeit, die von spanischen und deutschen Lehrern betreut werden.
Finnlandaustausch
Seit 2021 pflegen wir eine Schulpartnerschaft mit der Europäischen Schule Helsinki in Finnland. Diese multikulturelle Schule im Herzen Helsinkis ermöglicht unseren Schülerinnen und Schülern ihr Englisch zu vertiefen. Die Gastschülerinnen und -schüler gehen mit ihren Austauschülerinnen und Schüler in die Schule und erleben intensiv das Schulleben. Mit finnischen Schülern wird gemeinsam an Projekten gearbeitet, so dass alle Teilnehmenden sprachlich und inhaltlich von der Austauschwoche profitieren. Helsinki bietet als skandinavische Metropole viele kulturelle Impulse und die Region beeindruckt durch ihre geografische Lage und die Vielfalt der Natur und Landschaft.
Frankreichaustausch
Seit März 2024 kooperiert unser Schulzentrum mit dem französischen Lycée Paul Verlaine in Rethel bei Reims in der wunderschönen Champagne. Der Austausch findet jeweils innerhalb eines Jahres entweder als klassischer Austausch in Wiesloch und Rethel (mit Fahrt nach Paris) oder im jährlichen Wechsel als Drittortbegegnung an einem anderen Ort in Frankreich oder Deutschland (z.B. Berlin, Nizza) statt.
Der Frankreichaustausch wird über das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gefördert, so dass die Reise- und Aufenthaltskosten für die Schüler niedrig sind.
Auslandspraktika für Azubis
Unsere Auszubildenden der kaufmännischen Berufsschule haben die Möglichkeit, ein ca. dreiwöchiges Praktikum in einem Betrieb im europäischen Ausland zu machen. Die Organisation eines Praktikums erfordert persönliches Engagement, das Einverständnis des Betriebs und der Schule.
Förderung durch Erasmus +
Die Schulpartnerschaften mit Finnland und Spanien werden durch Erasmus + finanziell gefördert, wodurch die Reise- und Aufenthaltskosten für die Schüler niedrig sind.
Die Auslandspraktika können durch das Programm Erasmus + finanziell gefördert werden. Hierbei werden Reisekosten je nach Zielland unterschiedlich gefördert und bestimmte Tagessätze bezahlt.
Mit Erasmus+ nach Riga (September 2025)
Geschäftiges Treiben und ein fröhliches „privet“ begrüßen uns, als wir die Geschäftsräume unserer Sprachschule in Riga betreten. Absolventen unterschiedlicher Nationalitäten feiern gemeinsam mit ihren Dozentinnen den Erfolg ihrer Sprachkurse – natürlich auf Russisch, denn wegen dieser Sprache sind auch wir hier. Einerseits, um bestehendes Wissen und Können mit muttersprachlichen Dozentinnen zu überprüfen und zu verfeinern, andererseits um die zweite Fremdsprache der eigenen Schulzeit aus dem jahrzehntelangen Winterschlaf zu wecken und noch einmal neu in die Rolle der Schülerin zu schlüpfen.
Schon auf der Reise in die lettische Hauptstadt Riga mit Nachtzug und Bus konnten wir viele Eindrücke sammeln, aber unsere unterschiedlichen Russisch-Sprachkurse waren doch das absolute Highlight dieser Reise. In Kleingruppen, gemeinsam mit Studierenden, anderen Lehrer:innen aber auch Geschäftsleuten, lernten wir nicht nur die Sprache und ihre Besonderheiten kennen, sondern auch, welche Bedeutung das Russische in Lettland immer noch hat, wie wichtig Sprache für die eigene Identität ist und dass ein didaktisch gut aufgebauter Unterricht für den nachhaltigen Erwerb einer Zweitsprache unabdingbar ist. So war nicht nur der Austausch mit Sprachschüler:innen aus ganz Europa gewinnbringend, sondern v.a. die Möglichkeit, das Gelernte im Fremdsprachenunterricht, in der Vorbereitung für das Abitur und im Unterricht der Vorbereitungsklassen Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse anwenden zu können. Gleichzeitig ist Riga eine kulturell, architektonisch und historisch faszinierende Stadt, die wir in gemeinsamen Ausflügen erkunden konnten samt Theaterbesuch, Synagogenführung und Sonnenuntergang am nahegelegenen Rigaer Meerbusen.
Und so konnten auch wir, bevor wir den Heimweg über Litauen, Polen, die Slowakei und Österreich antraten, am Ende dieser intensiven Woche gemeinsam unsere Sprachzertifikate stilecht mit Krimsekt und russischen Knabbereien feiern. Durch Erasmus+ haben wir nicht nur unsere eigenen Fertigkeiten verbessert, sondern auch wieder einmal schätzen gelernt, wie wunderbar der gemeinsame Austausch über alle Grenzen hinweg ist.
Text: Britta Niehoff
Bei Freunden in Santomera – Gemeinsam durch Erasmus+ (Oktober 2025)
In der Woche vom 17.-24. Oktober war es wieder so weit: 16 Schülerinnen und Schüler der Johann-Philipp-Bonner Schule besuchten die Partner- Schule Julian Andugár in Santomera. Zusammen mit ihren spanischen Altersgenossen erkundeten sie das Städtchen im Süden Spaniens, dessen Zitrusfrüchte auch in Wieslochs Geschäften zu kaufen sind. Sie besuchten das wichtige Handelszentrum Murcia sowie die historische Stadt Cartagena, in der bei laufenden Ausgrabungen immer weitere Geheimnisse der Antike wortwörtlich aus Tageslicht kommen.
Da beide Schulen eine berufliche Ausrichtung haben, durfte eine Unternehmensbesichtigung
nicht fehlen: Der Präsident der genossenschaftlichen Initiative für den Anbau von Zitrusfrüchten führte uns persönlich durch „El limonár“ und zeigte die Arbeitsschritte,die von der Anlieferung der Früchte vom Feld über die Sortierung und Verpackung bis zum Weitertransport durchlaufen werden.
Ungewohnte Bilder und Düfte von Pflanzen und Früchten ließen die Gäste immer wieder staunen – ebenso wie die hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 39°C in der Sonne, mitten im „Herbst“. Für die gemeinsamen Unterrichtsstunden bereiteten die Schülerinnen und Schüler Präsentationen zum Vergleich deutscher und spanischer Produktmarken in
Bezug auf ausgewählte Kriterien wie Qualität, Umsatz, Werbestrategien und Nachhaltigkeit vor, die zum Teil lebhaft auf Deutsch, Spanisch und Englisch diskutiert wurden.
Begleitet und angeleitet wurde die Gruppe der Bronner in diesem Jahr von Olga Chicot, die bereits bei der Begründung der Partnerschaft vor nunmehr 11 Jahren dabei war und den Austausch seitdem mitgestaltet. Erstmals betreute auch Bettina Sieber eine Gruppenmobilität nach Santomera und nutzte als Koordinatorin im Erasmus+ Team die Gelegenheit, die Kontakte zwischen den beiden Schulen auch für Azubis zu öffnen: Demnächst ist ein erstes Betriebspraktikum beim „Limonár“ geplant, das derzeit
für eine angehende Kauffrau im Büromanagement terminiert wird.
Der Austausch mit den spanischen Freunden und Kollegen ist an Herzlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft nicht zu übertreffen und es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie Jugendliche, Lernende im Wirtschaftsgymnasium, aber vielleicht auch bald erste Auszubildende auf diese Weise zusammengeführt werden. Auch diese Reise endete für alle Beteiligten mit der wertvollen Einsicht, dass sprachliche und kulturelle Unterschiede keine Hindernisse, sondern bereichernde Erlebnisse sind – und es eigentlich immer auch etwas Gemeinsamen, etwas Verbindendes gibt.
Für die Kolleginnen war es ohnehin kein „Adiós“, sondern ein „Hasta luego!“ – „Bis bald!“, denn in wenigen Wochen werden wir eine neue spanische Gruppe hier in Wiesloch begrüßen.
Text: Dr. Bettina Sieber
